
Brüder und Schwestern, wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis heute seufzt und in Geburtswehen liegt. Nicht nur sie, sondern auch wir selbst, die wir den Heiligen Geist als Erstlingsgabe empfangen haben, seufzen in uns und warten auf die Sohnschaft, die Erlösung unseres Leibes. Römer 8,22
Das Pfingstfest erinnert an den Heiligen Geist, an Feuerzungen, an wehende rote Fahnen mit Bildern von herabstürzenden weißen Tauben und an das Ende der Osterzeit. Die Osterkerze kehrte nun ins Taufbecken zurück.
Pfingsten ist jedoch weniger das Ende der Osterzeit als vielmehr der Höhepunkt der gesamten Osterverheißung – dass wir an der Auferstehung Christi teilhaben. Dass wir die Erstlingsfrüchte von Gottes Ernte empfangen.
In der Vigilmesse am Pfingstsonntag hören wir im Römerbrief des Paulus, dass wir – die wir in das Leben Christi getauft sind – bereits die “Erstlingsfrüchte des Geistes” empfangen haben. Der Bezug auf die “Erstlingsfrüchte” (3. Mose 23,4–14) stammt aus dem israelitischen Pfingstfest. Das jüdische Pfingstfest, auch Wochenfest genannt, fand fünfzig Tage nach Pessach und dem Fest der Ungesäuerten Brote statt. Die Erstlingsfrucht der Ernte war ein Opfer für Gott und ein Symbol dafür, dass die gesamte Ernte der kommenden Saison Gott geweiht war. Der Priester sollte die erste Garbe der Ernte “schwingen” (3. Mose 23,11).
Für Christen heute ist der erste Teil der Verheißung bereits empfangen. Dieser erste Teil ist die Verheißung, dass wir durch die Taufe, in der wir mit Christus vereint sind, an seiner Auferstehung und Verherrlichung teilhaben. Dies ist das Wunder des Ostergeheimnisses, an dem wir teilhaben und das wir in der Osternacht feierlich begangen haben. Fünfzig Tage später, zu Pfingsten, verkünden wir die Garbe dieser Verheißung und die Hoffnung auf das, was noch kommen wird. An unserem Pfingstfest bekennen wir unseren Glauben an die Fülle der Erlösung – die uns durch die Kraft des Heiligen Geistes gegenwärtig ist.
Christus ist auferstanden, und der Heilige Geist erfüllt uns nun so vollkommen, dass wir in uns seufzen und nicht anders können, als hinauszugehen, mit unseren Garben zu wedeln und mit unserem Leben den auferstandenen Christus zu verkünden.



