
Mein erster Besuch im Heiligtum Unserer Lieben Frau vom Trost in Carey, Ohio, war unvergesslich. Die Atmosphäre, die beeindruckende Wallfahrtskirche und die gesamte Umgebung erinnerten mich an St. Anne de Beaupré in Québec, Kanada. Das war 1968. Ich war damals noch ein junger Postulant in der Anfangsphase meiner Ausbildung zum Ordensbruder. Dort in Carey entdeckte ich auch eine lebendige Gemeinschaft von Konventualenbrüdern, die nicht nur die Gemeindemitglieder vor Ort betreuten, sondern auch viele Pilger, Einwanderer aus fernen Ländern, die ich kaum kannte. All das war neu für einen jungen 18-Jährigen, der seinen Weg im Leben suchte.
Schon damals hörte ich Geschichten. Bruder Bruno erklärte mir, wie die wundertätige Statue Unserer Lieben Frau vom Trost von Einwanderern aus Luxemburg nach Ohio gebracht worden war. Er erzählte mir auch von dem Franziskanerbruder Aloys Fish, der 1912 als Erster an die neugotische Eingangstür des neuen Pfarrhauses von Pater John Mizer klopfte. Bruder Aloys war auf Bitten des Bischofs von Toledo zu dessen Nachfolger entsandt worden. Bruder Aloys ahnte damals nicht, dass hinter dieser neugotischen Eingangstür, die nur vierzehn Jahre später noch immer genutzt wurde, eine neue Provinz des Ordens der Minderbrüder entstehen würde. Er machte sich jedoch sofort an die Arbeit, und eine prächtige neue Wallfahrtskirche wurde 1925 im Wesentlichen fertiggestellt.
1926 erfüllte sich die Vision des Generalministers, dass der Orden in den Vereinigten Staaten nach Westen expandieren sollte. Im Pfarrhaus, hinter der englisch-gotischen Eingangstür, wurde eine neue Provinz für die Staaten des Mittleren Westens gegründet. Sie ging aus der bereits bestehenden Provinz der Unbefleckten Empfängnis hervor, die im Bundesstaat New York und an der Ostküste tätig war.
Gleich zu Beginn der neuen Provinz hinter der gotischen Eingangstür fiel die Namenswahl leicht: “Unsere Liebe Frau vom Trost”. Die ersten Pionierbrüder stellten ihr neues Vorhaben unter den Schutz Unserer Lieben Frau vom Trost. Sie wurde zum Ausgangspunkt für die Brüder, die sich verstärkt in der Pfarrei- und Missionsarbeit engagierten und sowohl eine neue Pfarrei in Louisville als auch eine neue Mission in Afrika unter ihren Schutz stellten. Die nachfolgenden Brüder blieben stets Pilger.
Es war ihnen wichtig, dass die ersten Brüder der neuen Provinz hinter derselben englisch-gotischen Eingangstür ausgebildet wurden. Schon bald wurde das anfängliche Programm jedoch in ein neues Gebäude, das Our Lady of Carey Seminary, erweitert, das 1935 fertiggestellt wurde. Dieses Philosophie-Grundstudium wurde später mit der Dayton University verbunden, und die Zahl der Studenten stieg, sodass später auch Brüder aus anderen Konventsprovinzen hinzukamen. 1965 zog das Seminarprogramm schließlich an die Saint Louis University in St. Louis, Missouri.
In diesen dreißig Jahren wuchs die Zahl der Ordensbrüder am Wallfahrtsort durch die gemeinsame Anwesenheit der Pfarrer und des Priesterseminars sowie der Dozenten und Studenten des Seminars auf fast hundert. Das Klosterleben erlebte eine Blütezeit. Priester und Ordensbrüder arbeiteten zusammen und betreuten die vielen Pilger, die zum Wallfahrtsort Unserer Lieben Frau vom Trost strömten. Viele der in Carey wirkenden Brüder übernahmen später Führungsrollen in der Kirchenprovinz und auch in Rom, einer sogar als Generalminister, Bruder Basil Heiser OFM Conv.
Ich selbst diene nun im achten Jahr als Guardian, Pfarrer und Rektor in Carey. Es erfüllt mich mit Demut, immer mehr über meine Vorgänger zu erfahren. Die Atmosphäre erinnert mich nach wie vor an St. Anne de Beaupré in Québec, Kanada. Hier wie dort wird die Seelsorge für Pilger, vor allem für Neuankömmlinge auf der Suche nach einem neuen Zuhause, fortgeführt. Ihre beständige Förderung der Verehrung der Mutter Gottes heilt weiterhin Seelen und Körper.
Unsere Liebe Frau vom Trost, wir danken dir, dass du so viele deiner Söhne berufen hast, die auf diesem Boden gewandelt sind und dir an diesem heiligen Ort so eifrig gedient haben. Möge unsere Erinnerung an diese 100 Jahre im Dienst unseres Herrn Jesus Christus stets gesegnet sein!




